Olympiastützpunkt Brandenburg

Mit Romy Tarangul und Mareen Kräh werden auch zwei Kämpferinnen vom Frankfurter Leistungszentrum in Paris auf die Matte gehen. Beide haben das gleiche Ziel, doch nur eine von ihnen wird es erreichen können. Für Romy Tarangul und Mareen Kräh beginnt mit den Weltmeisterschaften in Paris die letzte Etappe

auf dem Weg zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in London. Doch während beim Weltchampionat vom 23. bis 28. August in der französischen Metropole noch Platz für beide im deutschen Judo-Team ist, das gestern in Kienbaum benannt wurde, kann in zwölf Monaten nur eine starten. So will es das Reglement.
„Wir sind sportliche Rivalinnen, aber deshalb hassen wir uns nicht“, sagt Romy Tarangul. „Aber jede von uns will den sportlichen Erfolg. Das ist doch selbstverständlich.“ Mareen Kräh sieht es ähnlich. „Wir haben ein ganz gutes Verhältnis zueinander, auch wenn wir keine Freundinnen sind.“
Für Frauen-Bundestrainer Michael Bazynski eine komfortable Situation, die sich ihm in der 52-Kilo-Klasse bietet. „Es ist immer besser, wenn man mehrere Athleten auf einem hohen Leistungslevel hat. Die treiben sich dann gegenseitig voran.“ Aus diesem Grund registriert er die Entwicklung von Mareen Kräh mit besonderer Freude. „Sie hat den größten Sprung nach vorn gemacht, ist seit einem Jahr wie umgewandelt und mit Romy jetzt auf einem Niveau“, sagt Bazynski. Die Resultate sprechen dafür. Gewinn des deutschen Meistertitels und vor kurzem der Weltcupsieg in Madrid. „Mareen weiß jetzt genau, was sie will.“ Die
27 Jahre alte Polizei-Obermeisterin vom Verein Asahi Spremberg, die mit Christian Ultsch, Sohn von Männer-Bundestrainer Detlef Ultsch, zusammenlebt, bestätigt es. „Es ist tatsächlich so, ich investiere jetzt mehr in meinen Sport, will den Erfolg.“
Dabei stand nach einer schweren Verletzung mit folgender Schulter-OP ihre sportliche Karriere im Juni vorigen Jahres sogar auf der Kippe. „Ich musste danach praktisch von vorn anfangen. Mir alles, was mit Judo zu tun hat, neu erarbeiten“, erzählt die EM-Dritte von 2006. „Aber vielleicht habe ich nach zehn Jahren diese Pause mal gebraucht. Sie hat mir gut getan.“
Romy Tarangul ist sich sehr wohl im Klaren darüber, dass mit Mareen Kräh die größte Konkurrentin um einen Startplatz in London aus der eigenen Trainingsgruppe kommt. Die
23 Jahre alte Lehramtstudentin vom JC 90 Frankfurt (Oder) durfte in Peking bereits olympische Erfahrung sammeln (Platz 9),
kann als EM-Zweite (2008) und WM-Dritte (2009) auch die größeren internationalen Meriten vorweisen. „Aber das zählt jetzt nicht mehr. Die Karten werden neu gemischt.“
Eine starke Vorstellung bei der WM, am besten gekrönt mit einer Medaille, wäre die beste Empfehlung für das Ticket nach London. Der Bundestrainer traut sowohl Romy als auch Mareen in Paris eine Menge zu. „Die Form dafür haben sie. Wenngleich in dem Riesenstarterfeld immer auch ein wenig das Losglück eine Rolle spielt“, sagt Michael Bazynski. „Aber dass sie jede Gegnerin aus der Weltspitze bezwingen können, haben sie gezeigt.“ Selbstverständlich wünscht der Coach beiden den Erfolg, selbst auf die Gefahr, dass ihm das die Entscheidung, wen er mit zu Olympia nimmt, noch schwerer macht.

 

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