Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat am Dienstag in Berlin anlässlich der Verkündung der Vertragsverlängerung mit Mercedes-Benz als Nationaler Förderer bis 2016 ihr neues Förderkonzept RIO vorgestellt.

Es stellt eine bedeutende Vereinfachung dar, weil die Zahl der Förderbausteine auf ein Viertel reduziert worden ist und die Förderleistungen für Athleten sehr transparent sind. Olympiaprämien als verdienter Bonus sind weiter vorgesehen, WM- und EM-Prämien allerdings nicht mehr. Der Vorteil für die Athletinnen und Athleten liegt in einer besseren Planbarkeit der Dualen Karriere, also der Verbindung der Spitzensportlaufbahn mit einer fundierten Ausbildung.
Dr. Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstands: „Die Philosophie der Sporthilfe bleibt dabei unverändert, ein verlässlicher Karrierebegleiter zu sein, der rein nach Leistung fördert und nicht die Vermarktbarkeit eines Sportlers oder den medialen Rang von dessen Disziplin als Maßstab heranzieht. Wir wollen mit dem Konzept Rio mehr Transparenz und Planbarkeit für die Athleten schaffen. Ziel bleibt der kontinuierliche Ausbau unserer Leistungen.“
Die Sporthilfe hatte nach London 2012 intern prüfen lassen, inwieweit Olympiaprämien auch künftig Bestandteil des Förderkonzepts sein können. „Wir sind dank der Unterstützung unserer Partner in der Lage, weiterhin Olympiaprämien auszuloben, deren Höhe allerdings in unser Gesamtkonzept eingepasst sein muss“, sagte Ilgner. Unterschiedlichste Bedingungen in den verschiedenen Sportarten – so haben manche jährliche Titelkämpfe – sorgten bisher für Ungleichgewichte bei den WM- oder EM-Prämien, die mit dem Förderkonzept RIO behoben werden.
Christa Thiel, Vizepräsidentin Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „Das Konzept der Leistungspyramide ist entstanden in enger Abstimmung mit den geförderten Spitzenverbänden und dem DOSB. Es baut dabei auch auf dem Kadersystem des DOSB auf. Wir finden die Vereinfachungen gut. Das wird auch die Arbeit im Gutachterausschuss der Sporthilfe, in dem Bernhard Schwank den DOSB vertritt, noch effektiver machen.“
„Wir fühlen uns etwa durch vergleichbare Modelle – beispielsweise bei der erfolgreichen britischen Agentur UK Sports – bestätigt, dass es sinnvoll ist, wenn ein junger Sportler so gefördert wird, dass er eine Goldmedaille gewinnen, aber auch eine Ausbildung abschließen kann“, sagt Jörg Adami, Vorstandsmitglied und Direktor Förderung der Deutschen Sporthilfe. „Durch diese Förderung der Sporthilfe sehen wir den Vorteil, dass wir die Athleten in die Lage bringen sich umfassend mit dem Sport und einer beruflichen Ausbildung auseinander setzen zu können. Am Anfang jeder Förderung steht seit 2010 das verpflichtende Gespräch mit einem Laufbahnberater als wichtiger Wegweiser.“
Das Fördersystem ist nach dem Leitsatz „Die Besten am besten fördern“ aufgebaut. In der Ausgestaltung der einzelnen Bausteine dokumentiert sich der Leistungsanspruch. Die Elite Fördeung, ermöglicht von Mercedes-Benz, orientiert sich an Spitzenplatzierungen, in erster Linie bei Welt-, aber auch bei Europameisterschaften und ausgesuchten Top-Ereignissen.
Die eigene sportliche Leistungsfähigkeit entscheidet über die Einstufung in diesem Pyramidenmodell mit direkter finanzieller Förderung von 100 bis maximal 1.500 Euro. Die Höchstförderdauer für C- und B-Kader beträgt sieben Jahre. Dann muss der Sprung in A-Kader bzw. Elite Förderung gelungen sein oder der persönliche Schwerpunkt auf die Ausbildung oder den Beruf gelegt werden, weil die Förderung der Sporthilfe endet. Für Top-Athleten gibt es keine zeitliche Begrenzung der Förderung.
Allen geförderten Kaderangehörigen stehen zusätzlich die Elemente zur Verfügung, die eine Duale Karriere absichern, wie Maßnahmen zur Berufsorientierung, Nachhilfe, Schulgutachten oder Seminare. Vom Sonderprogramm ElitePlus sind, ebenso wie von der C- und B-Kader Förderung, Athleten auf Sportförderstellen – etwa bei der Bundeswehr, der Bundespolizei oder beim Zoll – ausgenommen.
Rund 375 Millionen Euro hat die Sporthilfe seit 1967 für die Förderung von über 45.000 Talenten und Top-Athleten aus fast allen olympischen Disziplinen, traditionsreichen nicht-olympischen Sportarten sowie dem Behinderten- und Gehörlosensport aufgewendet. Cirka 3.800 Athleten in über 50 Sportarten werden aktuell jährlich gefördert.
Die Fördersumme lag in der zurückliegenden Olympiade jährlich bei 10 bis 12,5 Millionen Euro. Der Aufwand für direkte finanzielle Förderung sowie mittelbare Förderung durch Betreuung und Beratung für das laufende Jahr beträgt 11,6 Millionen Euro. Dazu kommen weitere Prämien bzw. Preisverleihungen (wie Eliteforum, Juniorsportler des Jahres, Goldene Sportpyramide / Hall of Fame, Sachleistungen für Athleten etc.).

Franziska Weber, Kanu-Olympiasiegerin 2012:
„Die Elite Förderung der Sporthilfe ist für mich und mein Parallel-Leben als Sportlerin und Studentin eine gute Basis. Den Kanusport betreibe ich nicht, um damit viel Geld zu verdienen, sondern weil es meine Passion ist. Ich habe mich gegen den Weg über die Bundeswehr oder die Polizei entschieden. Da hätte man natürlich eine gewisse Absicherung, weil man über einen gewissen Zeitraum verpflichtet ist. Aber ich will das nicht, weil ich gerne mein Studium in Ruhe machen möchte. Mein Kapital ist meine sportliche Leistung. Wenn die nicht mehr kommt, und dann auch die Sporthilfe weniger wird, dann muss die Mutter wieder tiefer in die Tasche greifen.“
Quelle: www.sporthilfe.de